Sind Märchen unsterblich?

Märchen verzaubern, beeindrucken, fesseln... Märchen sind lieblich, grausam und gemein... Märchen zählen zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der mündlichen Überlieferung und treten in allen Kulturkreisen auf. Sind sie überaltert und passen nicht mehr in unsere Zeit, oder können wir auch heute noch von ihnen lernen?

Der Begriff „Märchen“ ist die Verkleinerungsform der mittelhochdeutschen Maere, was „Kunde, Bericht, Nachricht“ bedeutet. Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten berichten. Märchen zählen zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der mündlichen Überlieferung und treten in allen Kulturkreisen auf.

 

Es gibt Charakteristika, die Märchen auszeichnen und typisch für Märchen sind:

- Märchen enthalten nichts Wirkliches

- dafür aber einiges Wunderbares

- Ort und Zeit sind unbestimmt

- dem Haupthelden wird eine Aufgabe gestellt

- der Held hat eine Schwäche

- Tiere oder Gegenstände kommen als Helfer vor

- es gibt immer wiederkehrende Formulierungen, besonders am Anfang und Ende des Märchens, wie z. B. „Es war einmal...“ oder „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

- Eine wichtige Rolle spielen Sprüche oder Verse

- magische Zahlen kommen vor (häufig die Zahlen 3, 7 oder 12)

- Märchen enden glücklich

Nicht jedes Märchen hat alle diese Merkmale; damit ein Text ein Märchen ist, müssen aber viele dieser Punkte vorhanden sein.

Märchen haben eine Reise in die eigene Seele zu bieten. Man hat die Möglichkeit, sich mit dem Inhalt des Märchens innerlich auseinanderzusetzen und für das Leben Lehren daraus zu ziehen oder anderen zu vermitteln.

Märchen verkörpern einen wunderbaren Gegensatz zur Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit. Und man kann von ihnen lernen, so merkwürdig das auf den ersten Blick klingen mag: Im Märchen wird Lebensweisheit transportiert, es kann Orientierung im Leben bieten. Zum Beispiel, wenn wir lernen, dass die kleine Geldbörse reicht, und die große uns Unglück bringt.

Bei meinen Lesungen lässt sich beobachten, dass die Eltern Märchen genauso fasziniert zuhören, wie die Kinder.

Wenn es um die Märchen der Brüder Grimm geht, denkt man unwillkürlich an die Klassiker wie „Schneewittchen“ oder „Dornröschen“. Doch die beiden haben viel mehr geschrieben - auch Märchen, die nicht in das herkömmliche Raster passen.

Jemand, der Märchen als brutal verstehen will, da manche Maer gnadenlos erscheint, z. B. wenn der böse Wolf bei Rotkäppchen Wackersteine in den Bauch genäht bekommt oder die böse Hexe von Hänsel und Gretel in den Ofen geschoben wird - was alles ein Vorhergeschehen hat - wird der Intention dieser Aussagen nicht gerecht. Vielleicht kann man den Zeitpunkt, wann man diese Art Märchen den Kindern vorliest, insofern günstig bestimmen, dass man es nicht vor dem Gute Nacht-Kuss und „Nun schlaf schön und träum süß“ tut. Doch diese Märchen haben ihre Berechtigung, denn sie fordern in ihrer Symbolik dazu heraus, die fürs wahre Leben unnatürlichen, unschönen und schlimmen Dinge auszuhalten, die eigenen Gefühle darüber kennenzulernen, zwischen "Gut" und "Böse" bzw. dem (Über)Leben "zugetan" oder "abtrünnig", zu differenzieren und so manche Gefahr in der Wirklichkeit möglichst zu vermeiden. Man erkennt, dass jemand - die Hexe -, der einem selbst oder jemand anderem Böses will, sich damit keinesfalls durchsetzen oder über einen siegen muss. Man hat immer die Möglichkeit, sich zu Wehr zu setzen oder Nothilfe zu leisten - genau so, wie die böse, nach Hänsels Leben trachtende Hexe von Gretel in den Ofen befördert wird.

Märchen verzaubern, beeindrucken, fesseln… Darum finde ich es wichtig, den Märchen Raum in unserer Zeit zu geben.

Das Wunderbare und Mystische an den Geschichten ist, dass in Märchen die Unsterblichkeit schlummert. Denn der Möglichkeit, über die Zeiten hinaus zu existieren, wird Raum gegeben: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...

 

 

 

 

 

 

Märchenfee Marielle

http://maerchenfee-marielle.de.to/

 

 

 

Rauschenburg.de/to

http://rauschenburg.de.to/

Märchen im Maislabyrinth bei der Rauschenburg an der Lippe in Olfen am Hofladen Tenkhoff.

 

 

 

Eingestellt am 09.08.2013 11:11 Auf Facebook veröffentlichen Auf Twitter veröffentlichen


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