Rund um Fröndenberg

Am 13. Mai 2012 trafen sich die historisch interessierten Freunde der Deutschen Burgenvereinigung um 10.00 Uhr am Bismarckturm auf der Wilhelmshöhe in Fröndenberg. Dieses stattliche, historische Bauwerk wurde in alten Zeiten „Bismarcksäule“ genannt. Zu Kaisers Zeiten entzündete man oben im Turm oftmals Feuer, so dass er einer Feuersäule gleichkam. Im Jahr 1987 wurde mit der Sanierung des Turmes der Feuerkorb entfernt. Die Deutsche Burgenvereinigung e. V. hatte zu ihrem Programm geladen, und die Gäste waren zahlreich erschienen. Mit Spannung erwarteten alle das Wandeln auf alten Spuren.

Die geplante Exkursion, die unter der Leitung von Gerhard Petrowitz, Jochen von Nathusius, Stadtarchivar Fröndenbergs, und Matthias Rasch stand, trug den Namen „Rund um Fröndenberg“ und hatte ihren Beginn am Bismarckturm Wilhelmshöhe. 

Jeder Teilnehmer der Expedition hatte für die Teilnahme 20,00 € bezahlt, deren Investition sich gelohnt hat. Im Preis inbegriffen waren ein reichhaltiges Mittagessen und verschiedene Zeitreisen an unterschiedliche Orte, in vergangene Zeiten, zu einstmals mächtigen und einflussreichen Persönlichkeiten, die bis heute nicht an historischer Bedeutung verloren haben, wie z. B. die Grafen von der Mark, als ehemalige Landesherren der Grafschaft Mark, einem Territorium des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Als Landesherren von Hamm schafften sie es während des 13. und 14. Jahrhunderts, ihre eigene Landesherrschaft durch zahlreiche Städtegründungen respektive Stadtrechtsverleihungen wie z. B. Hamm, Lünen, Bochum zu erweitern und die Grafschaft Mark auszubauen. Ihre Spuren finden sich auch in Fröndenberg. In der Stiftskirche befinden sich das Grabmal des Stifters Otto von Altena und weitere vier Begräbnisstätten von vier märkischen Landesherren: Eberhard II. († 1308), Engelbert II. († 1328), Adolf II. († 1347) und Engelbert III. († 1391).

Zunächst kletterte man die zahlreichen Stufen der Wendeltreppe im Bismarckturm nach oben und genoss bei sonnigem Wetter den Ausblick über die weite Landschaft.

Wieder unten angekommen, hielt der Stadtarchivar von Fröndenberg, Jochen von Nathusius, einen Vortrag über die Historie des Turms und Fröndenbergs. Jeder Teilnehmer erhielt eine von ihm erstellte Mappe mit historischen Daten und Prospekten.

 

Als nächste Station fuhr man die Johanneskirche zu Frömern, aus dem 12. Jahrhundert an.

Der Ort Frömern und seine Pfarrkirche haben eine Besonderheit gemeinsam: Den Bezug zu dem, einer Pfarrerdynastie entstammenden, Johann Dietrich von Steinen, der Pfarrer war, aber auch mit seinem Nachschlagewerk „Westphälische Geschichte“ den Historikern heutiger Zeit eine bedeutende Grundlage für die Erforschung des Ruhr-Lippe-Raumes vor der Zeit der Industrialisierung lieferte. Johann Dietrich von Steinen wurde in Frömern geboren. Das ehemalige Haus der Familie von Steinen befand sich über mehrere Generationen auf dem Platz gegenüber der Kirche, wo heute ein Fachwerkhaus steht.

Johann Dietrich von Steinen wirkte im 17. Und 18. Jahrhundert.

In der Kirche gegenüber von seinem einstigen Elternhaus wurde er, wie auch andere Mitglieder seiner Familie, einst bestattet. Noch heute kann man vor den Stufen zum Altar, in der unterirdischen Grablege, seine eindrucksvolle Grabplatte bestaunen.

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Johann Dietrich von Steinen hatte sich zu Lebzeiten für alle Frauen seiner Kollegen eingesetzt. Er setzte es durch, dass Pastorenwitwen eine Rente erhielten. Als Pastor wirkte er in Kleve, Isselburg und Frömern, insgesamt 32 Jahre.

Die Frömerner Kirchenorgel stellt eine Besonderheit dar, weil sie eine von nur noch drei fast vollständig erhaltenen Orgeln des berühmten Orgelbaumeisters Ladegast in NRW ist.

Der Diplom Ing. Leider führte die Gruppe mit Fragekärtchen, bebildert, mit Denksportaufgaben, rund um die Johanneskirche, und mit zahlreichen sachlichen und spannenden Informationen, durch die Besichtigung.

Neugierig und aufmerksam begab sich die Gruppe in und um die Kirche auf die Suche, um die aufgetragenen Rätsel zu lösen. Es glich gar einer Schatzsuche.

Um die Kirche herum begegnet man zahlreichen Baudenkmälern. Ein Besuch dieses historischen Ortes ist absolut zu empfehlen.

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Paarweise trennte man sich um sich als Entdecker auf historische Spuren zu begeben. Später traf man sich vor der Kirche, um zu besprechen, was man erfahren hatte.

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Nach der Außenbegehung und der Besichtigung der Frömerner Pfarrkirche von innen hieß es für die Exkursionsteilnehmer, die nächste Station anzufahren:

 

Die Kloster- und Stiftskirche in Fröndenberg.

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Dort hielt der Fröndenberger Stadtarchivar Jochen von Nathusius eine spannende Rede u. a. über die Kirchengeschichte, Äbtissinen und die ehemaligen Landesherren, die Grafen von der Mark.

Er berichtete auch, warum auf dem Hochgrab des Grafen Eberhard II. von der Mark jedes Jahr ein Gedenkkranz von der Stadt Bochum niedergelegt wird, obwohl gerade er nicht derjenige war, der sich während einer Fehde um die Stadt Bochum verdient gemacht hat. Es war ein anderer Graf von der Mark, Engelbert III., der Bochum in Kriegszeiten Unterstützung bot. Als Dank und ihm zu Ehren schickt die Stadt Bochum jedes Jahr eine Delegation, die auf das Hochgrab des Eberhards II. den Ehrenkranz niederlegt.

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Der Eindruck des Hochgrabes für den Grafen Eberhard II. von der Mark († 1308), den Begründer der märkisch-klevischen Vorherrschaft bis 1607 im rheinisch-westfälischen Raum und seine erste Gemahlin, Irmgard von Berg († 1294), wurde von den Historiefreunden als ein herausragendes Erlebnis empfunden.

Beim Rundgang durch die Kloster- und Stiftskirche Fröndenberg begegnet man außerdem einem Rokokoaltar von 1776, unter Äbtissin Maria Anna von Fürstenberg, der Holzfigur des Heiligen Mauritius um 1400, der im 18. Jahrhundert vom zweiten Patron des Klosters zum Schutzheiligen des Ortes Fröndenberg erhoben wurde.

Der Mittelteil eines Flügelaltars, der Ende des 14. Jahrhunderts entstand, ist aus der Schule des Conrad von Soest. Der vollständige Altar stellte in 16 Szenen die Vorfahren und das Leben der Heiligen Familie dar und führte über Jesu Kreuzigung und Marias Tod hinaus bis zu ihrer Aufnahme in das himmlische Reich durch Christus.

Die Kanzel von 1797 prangt im Stil des Klassizismus und ein historischer Altartisch mit gotischem Heiligenhäuschen.

Zu bewundern ist auch die Sakristei mit spätgotischem Kreuzgewölbe und einem schönen Mädchenkopf als Schlussstein einer Gewölberippe, darüber hinaus eine Pietá, aus dem Ende des 15. Jahrhunderts: Maria beweint ihren blutverschmierten, toten Sohn, den sie auf ihrem Schoß hält.

Diverse historische Grabsteine sind zu sehen, im gesamten Kirchenbereich, versehen mit Familienwappen, die von der (hoch)adeligen Abkunft zahlreicher Stiftsdamen und Äbtissinen zeugt.

Die Orgel aus der Werkstatt des Tobias Bader aus Unna erfuhr ihren Baubeginn im Jahr 1673. Vollendet wurde sie durch P. Heinrich Varenholt aus Bielefeld. In den 1870er Jahren wurde die Orgel durch Registererweiterungen dem romantischen Klangideal angepasst, durch den Herforder Orgelbauer F. B. Meyer. Paul Ott aus Göttingen gestaltete sie im 20. Jahrhundert „nach den Gesetzen einer strengen Werkmäßigkeit“ neu. Diese Orgel soll über eine „beeindruckende Klangbrillanz“ verfügen.

Plötzlich steht man vor dem Überrest einer ehemaligen Ausmalung. An der Nordwand des ehemaligen Nonnenchores im Obergeschoss sind Reste einer Wandbemalung aus dem 13. Jahrhundert zu entdecken. Links sind der Apostel Jakobus mit Pilgerstab und rechts der Apostel Paulus mit Schwert und heiliger Schrift vor einem weitläufigen Kirchengebäude zu erkennen.

Ein großer Grabstein ohne Inschrift, jedoch mit dem Wappen der Grafen von der Mark ist zu sehen. 

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Von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr traf man sich zum reichhaltigen und leckeren Mittagsbuffet im Stiftskeller. Neugewonnene Eindrücke wurden ausgetauscht und Pläne für die weiteren Abenteuer und  Eroberungen der historischen Themen geschmiedet.

Anschließend führte Matthias Rasch die Gruppe zu einer alten Burgstelle. Sie befindet sich in der Nähe der Einfahrt Dorfstraße in Ardey.

Die Neugier nahm kein Ende, denn nun hieß es, eine weitere, dritte alte Burgstelle befindet sich in der Nähe der altbekannten Burg Ardey, die auf dem Berg über den Bahnschienen liegt.

Diese dritte alte Burgstelle hieß es nun „einzunehmen“. Vor der bekannten Burg Ardey, hinter den Bahnschienen, bog die Truppe rechts in den Waldweg hinein. Nach einem etwa viertelstündigen Spaziergang gelangte sie zu einer Anhöhe, von der aus man auf die Ruhr herabschauen konnte. Ein malerischer Ort präsentierte sich den neugierigen Blicken. Man brauchte nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass an diesem Ort einmal eine Burg gestanden hatte, deren Bewohner damals jeden beobachteten, der sich der Festung über die Ruhr näherte. Auf einer speziellen kleinen Anhöhe hatte vor langer Zeit wohl einmal ein Turm gestanden, da sie charakteristisch für derartige Anlagen ist.

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Der nächste Fotostop fand in Langschede bei Haus Schoppe statt. Haus Schoppe, ein leerstehender Gutshof, gab ein eindrucksvolles Bild ab. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Haus Schoppe im 13. Jahrhundert. Hier lebten die Familien Langenschede, Langenscheyde, Langenscheide, Vresendorp und Torck, resp. Tork. An dieser Stelle schlägt Haus Schoppe einen Bogen zu Fröndenbergs Kloster, da eine Beleke von Tork von 1484 bis 1493 Äbtissin des Fröndenberger Klosters war. Auf die von Torks folgten die Bewohner von Thulen, von Ketteler zur Brüggen auf Haus Gerkendahl in Hennen. Letztere Familien bewohnten den Hof jedoch nicht selbst sondern verpachteten ihn, dies geschah seit 1486 fast ausnahmslos an Angehörige der Familie Marck. Der unverheiratete Möbelfabrikant Carl Marck war 1799 und 1800 noch Eigentümer.

Nach dessen Tod erwarb der aus Hemmerde stammende Caspar Heinrich Schoppe, der bereits die Langscheder Mühle von seinem Vater geerbt hatte, den Gutshof. Es gelang ihm, alle noch darauf liegenden Abgabeverpflichtungen, wie dem Rechtsnachfolger der Abtei Werden und der preußischen Domänenverwaltung gegenüber, abzulösen. Somit war er erster freier Eigentümer des Gutes geworden und allmählich bürgerte sich der Name „Haus Schoppe“ für das Gut ein.

Heute ragt der Turm des ehemals hochherrschaftlichen Hauses über den leeren, dunklen Fenstern, inmitten von verwildertem Grün, in den blauen Himmel hinein.

 

Im Anschluss führte die Exkursion zur evangelischen Kirche in Dellwig. Im Verlauf des 11. Jahrhunderts errichtet, war sie dem Heiligen Laurentius geweiht, dessen Altarreliquie sich über die Jahrhunderte erhalten und noch heute einen Ehrenplatz in der um 1600 evangelisch gewordenen Kirche hat.

Nach Abriss und Neubau des Kirchenschiffs im 12. Jahrhundert, folgten im 16. Jahrhundert der Neubau eines neuen Chor- und Altarraumes und später der Aufbau eines neuen Turmhelmes, nachdem im Jahr 1727 das Turmdach bei einem Sturm einstürzte.

1857 wurde die in Paulinzella gefertigte Orgel eingebaut, die man 1872-74 vom Chorraum auf die Turmempore versetzt hat. 1967 erhielt die Kirche eine neue Orgel im südlichen Seitenschiff von der Orgelbauerfirma Führer in Wilhelmshaven. 1999 erhielt die Kirche ein neues Geläut der Gießerei Rincker in Sinn. Das alte, nach dem 1. Weltkrieg angeschaffte Geläut erwies sich auf die Dauer als zu schwer und befindet sich als Denkmal auf dem Kirchplatz.

Als Besonderheiten der Kirchenausstattung finden sich im zugemauerten Südportal unter Verwendung eines Sakramentshäuschens aus dem 15. Jahrhundert das märkisch-klevische Herrschafts-Wappen, einChorfenster als Stiftung der Ehefrau des Pfarrers Friedrich von Bodelschwingh (hier tätig von 1864 bis 1872) und ein Kruzifix auf dem Altar, das aus der Reformationszeit stammt. Im Chorraum befinden sich drei Familienwappen der Patronatsfamilie von Grüter auf Haus Altendorf, 1887 ergänzt durch eine Wappentafel der Grafschaft Mark. Mehrfach wechselte im Verlauf der Jahrhunderte die Ausmalung des Kirchenschiffes nach dem jeweiligen Geschmack der Zeit. Heute korrespondieren warme braun-beige Farbtöne mit dem Fußbodenbelag aus Ruhrsandstein und betonen den frühgotischen Baustil dieser Dorfkirche.

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Der Aufstieg zum Glockenturm, den ich wagen durfte, war ein steiles Erlebnis.

Die letzte Erkundungsstation an dem Tag war der Besuch von Haus Altendorf in Dellwig.

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Hier wartete Herr Dr. Heinz-Josef Horstschäfer. Den gespannten Zuhörern hatte er viel Interessantes zu berichten. Er deutete auf ein Fenster im Obergeschoss und erzählte, dass er auf Haus Altendorf einst das Licht der Welt erblickte. Er erklärte den interessierten Zuhörern die Geschichte des Hauses und nannte sämtliche Bewohner. Auch von einem geheimnisvollen Häuschen in der Nähe erzählte er, von dem man sich erzählt, dass dort einmal ein Schatz vergraben wurde…

Trotz dieses vielversprechenden Hinweises traute sich keiner der Besucher dorthin zu gehen. Mittlerweile war es duster geworden und man dachte an Aufbruch. Denn auch die schönsten Erlebnisse haben einmal ein Ende. Der Besuch auf Altendorf wurde, auch durch Herrn Dr. Heinz-Josef Horstschäfers Ausführungen, eine weitere Bereicherung des ereignisreichen Tages. 

 

Der Leiter der Exkursion, Gerhard Petrowitz, überreichte Herrn Dr. Heinz-Josef Horstschäfer und Herrn von Nathusius als Dank für ihren Einsatz ein Geschenk. Die Teilnehmer der Abenteuer-Tagesreise spendeten anerkennenden Applaus.

Mein Schlussresümee: Ich freue mich schon auf die nächste Tour des Deutschen Burgenvereins!

 

 

Quellennachweis:

Geschichte des Hauses Schoppe und seiner Besitzer von Jochen Engelhard von Nathusius.

Die evangelische Kirche in Dellwig (Red. Alfred Reichenbach) Dellwig 2005; Jochen Engelhard von Nathusius, Stadtarchiv Fröndenberg

Wilhelm Kohl: Der Ausbau der Territorien, in: Vergessene Zeiten. Mittelalter im Ruhrgebiet. Katalog zur Ausstellung im Ruhrlandmuseum Essen, Bd. 2, Essen 1990, S. 39-43.

J. L. Kupper: Art. Mark, Grafen von der, in: Lexikon des Mittelalters 6, München-Zürich 1993, Sp. 297f.

Dieter Stievermann: Städtewesen in Südwestfalen. Die Städte des Märkischen Sauerlandes im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, Stuttgart 1978.

 

 

Internet:

Deutsche Burgenvereinigung e. V. :        http://www.deutsche-burgen.org/default.htm

Stadt Fröndenberg :                                    http://www.froendenberg.de/

Bismarckturm Unna Fröndenberg:          http://www.bismarckturm-verein-unna.de/pages/a.html

Johannes Kirche Frömern:                       http://www.evangelisch-in-unna.de/froemern.html

Kloster- Stiftskirche Fröndenberg:          http://www.ek-froendenberg.de/index.php?id=stiftskirche

Restaurant Stiftskeller Fröndenberg:     http://www.stiftskeller-froendenberg.de/

Evangelische Kirche Dellwig:                  http://www.evangelisch-in-unna.de/kirchedellwig.html

 

Haus Altendorf in Dellwig

Eingestellt am 27.05.2012 15:54 Auf Facebook veröffentlichen Auf Twitter veröffentlichen


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