Die Nacht der Autoren 2012 in der Fünte Mülheim

Am Abend des 7.7. fand in Mülheim an der Ruhr ein Event statt, bei dem sich Schriftsteller aus nah und fern alljährlich drum reißen, dabei zu sein: Die Nacht der Autoren.


Im Schein der Kerzen

Das schöne Wetter ausnutzend, zog man am Samstag kurz entschlossen in den "Autorengarten" des schmucken Kulturmuseums und schmiss den Grill an. Bei Bratwurst, Bier und einem spitzenmäßigen Kartoffelsalat gaben sich die Gäste vier Stunden lang der Versuchung der Worte hin.

Michael Starcke

Der erste Autor, der an diesem Abend vor dem Mikro Platz nahm, war der bekannte Lyriker Michael Starcke. Der Bochumer Dichter, dem nach eigener Aussage "leise laut genug" ist, widmete sich verstärkt dem Sommer und sinnierte über Licht und Schatten, Nacht und Tod. Blumen und Vogelscheuchen. Da kam Freude auf!

Dietmar Ostwald

Ihm folgte der aus dem schönen Sauerland angereiste Literat Dietmar Ostwald. Er trug einen Auszug aus seinem noch nicht vollendeten Roman "Die heimlichen Leser" vor. Der gebürtige Thüringer bleibt mit seinem neuen Werk seinem Thema treu. Erneut erzählt er eine heikle Liebesgeschichte vor dem problematischen Hintergrund der DDR.

Raniero Spahn

Raniero Spahn aus Duisburg brachte mit seinen furios vorgetragenen Alltagssatiren ordentlich Pfeffer in die Veranstaltung. Auch wenn eine anwesende Juristin einige materiell- und formalrechtliche Mängel ausmachte, bereiteten die wüsten Storys über eine erotische Massage, modernes Theater und falsche Zahlen in der Hochfinanz viel Vergnügen.

Stefanie Philipp

Die Einheimische Stefanie Philipp stellte ihren (vor-)historischen Roman "Der Sohn der Amazone" vor. Hierin erzählt sie von einem weiblichen Hirten- und Reitervolk aus dem zentralasiatischen Raum in einer archaischen Epoche. Wie haben die Frauen in dieser Zeit, in dieser feindlichen Umgebung getickt, um überleben zu können, dieser Frage habe sie nachgehen wollen, so die Autorin.

Gert Immich

Gert Immich aus Oberhausen ist bekannt und geschätzt für seine Satiren rund ums Ruhrgebiet. Eine solche gab es auch in dieser Nacht zu hören: Ein Theaterbesuch, Parkplatzprobleme und ein vorgetäuschter Ohnmachtsanfall verbinden sich zu einem abstrusen Malheur, ein wirklich böses Erwachen bleibt aber aus.

Ina Tomec

Ina Tomec hatte wie ihre Vorrednerin Stefanie Philipp Historisches im Gepäck. In ihrem Debütroman "Ayleva – Die Reise im Licht des Nebels" schildert sie die Abenteuer einer jungen Zeitreisenden, die Zeugin von Ereignissen wird, die bald zum Mord am Kölner Erzbischof Engelbert I. in einer Waldschlucht bei Soest führen. Ein gut recherchiertes Werk, das wurde bereits bei dem kurzen Auszug deutlich, den die Oberhausenerin vorlas.

Wolfgang Hausmann

Anschließend wurde es mit dem beliebten Rezitator Wolfgang Hausmann wieder lyrisch. Das Fünte-Urgestein donnerte unter anderem Ringelnatz ins Mikrophon und sorgte mit seinem Vortrag im Autorengarten für mehr Stimmung als bei der zeitgleichen Geburtstagsparty beim Nachbarn nebenan.

Dirk "Silberwolf" Steinert

Dirk "Silberwolf" Steinert aus Wuppertal unterhielt die Zuhörer mit einer pfiffigen SciFi-Satire. Merke: Nicht jeder Datenstick ist mit einer Biofestplatte kompatibel. Achten Sie auf die Gebrauchsanweisung.

Werner Zapp

Ganz nach dem Motto "Man spricht deutsch" handelte Werner Zapp aus Duisburg die Vorurteile des Kleinbürgertums über fremde Länder, Menschen und Sitten ab. Ebenso humorig und hintersinnig ging es in seiner zweiten Geschichte zu, in der er sich über Leute auslässt, die immer was zu tun haben – und deshalb zu nichts kommen. Werner Zapps Ehefrau sagt übrigens, sie sei mit so jemandem verheiratet.

Angelika Moritz

Die zur Riege der einheimischen Schreibkünstler zählende Angelika Moritz stand mit einer Road Story der besonderen Art über eine extrem turbulente Fahrstunde ihrem Vorredner in Sachen Humor in nichts nach.

Jenny Canales

Der literarischen Abschluss machte die Gelsenkirchener Kulturaktivistin Jenny Canales. Mit ihrer Lyrik über die Liebe, das Universum und die Natur fand die Nacht der Autoren ein würdiges Ende.

Hell's Kitchen (alias Miriam und Jörg)

Unbedingt zu erwähnen ist das Duo Hell's Kitchen, das zu Anfang, zum Ende und immer wieder zwischendurch musikalisch für Auflockerung sorgte. Ihr Künstlername lässt zwar härteste Metal-Mucke erwarten, aber Miriam und Jörg haben sich dem Singer-Songwriter-Genre verschrieben. Die beiden Musikanten trugen ganz wesentlich zu einer stimmungsvollen Session bei.

Beate Smorra

Auch Pantomimetänzerin Beate Smorra drückte der Veranstaltung ihren Stempel auf. Gekonnt interpretierte sie mit ihrer Kunst die dargebotenen Texte. Ihre Einlagen waren schlichtweg wunderschön.

Versammelt im Autorengarten

Nicht dem Vergessen anheim fallen soll auch die grandiose Kulisse, die Fünte-Chef Frank Bruns hingezaubert hatte. Pittoresk ist noch untertrieben (hey Frank, irgendwann klau ich mir den Kerzenleuchter!).

Wurde jedem teilnehmenden Autoren verliehen: Der FÜNTE-Literaturzwerg!

Am Rande sei angemerkt, dass nicht wenige Künstler im Café Stilbruch zu Gladbeck ihr Stelldichein geben werden bzw. dies schon getan haben – was eindeutig für die Programmplanung im CSB spricht (*grins*).

Entspannte Atmosphäre

Bleibt noch zu verkünden, dass der Event nur der erste Teil der Nacht der Autoren war. Wie Kenner wissen, findet das literarische Happening alljährlich in zwei Blöcken statt. Part 2 läuft am 11. August in Gelsenkirchen im Kultur-Zentrum Spunk (Festweg 21; um 19:00 Uhr) – wahrscheinlich ohne Grill. Leider! Aber wer weiß ...?
Anmelden kann man sich jedenfalls bei Jenny Canales unter der Telefonnummer 0176-35475753 oder per Mail unter lindicima(at)freenet.de.


Fotos: Francis Brown

Eingestellt am 10.07.2012 18:51 Auf Facebook veröffentlichen Auf Twitter veröffentlichen


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